Die Ratings und Weltranglistenpositionen in diesem Artikel stammen aus der Zeit vor unserem Ranking-Update vom 25. Oktober 2026. Aktuelle Werte finden sich auf der jeweiligen Vereinsseite.
Kurz gesagt: David Raum gehörte in allen sechs Spielzeiten seit 2021/22 bei den Expected Assists zu den besten 4 % der Bundesliga-Außenverteidiger. Er ist ein konstanter Vorbereiter, keine Eintagsfliege. In das 4-2-3-1 von United würde er nahtlos hineinpassen. Das Risiko liegt im Defensivbereich: Seine Zweikampfwerte schwanken spürbar. Unser Fazit: passt sportlich hervorragend, moderates Risiko.
Manchester United sucht einen Linksverteidiger – und Berichten vom Wochenende zufolge hat man die Wunschlösung bereits auserkoren. David Raum, Kapitän von RB Leipzig, soll das Transferziel Nummer eins für den Januar sein. Dem Vernehmen nach steht er einem Wechsel aufgeschlossen gegenüber, auch Juventus soll interessiert sein, und Leipzig könnte sich wohl mit einer Ablöse um die 30 Millionen Pfund anfreunden, da sein Vertrag Ende Juni 2027 ausläuft. Ob das alles stimmt, können wir nicht beurteilen. Was wir Ihnen jedoch sagen können: Welcher Spielertyp United erwarten würde, ob seine Zahlen nur ein statistischer Ausreißer oder echte Gewohnheit sind – und wie er ins System von United passen würde.
Die Kurzfassung lautet: Raum ist einer der konstantesten Chancenvorbereiter unter den Außenverteidigern im europäischen Spitzenfußball. Die Langfassung hat allerdings einen Haken, und der liegt in der Defensive.
Sechs Spielzeiten, eine Konstante
Beginnen wir mit der Kennzahl, die für einen offensiven Außenverteidiger am meisten zählt: Expected Assists, also die Qualität der Chancen, die ein Spieler vorbereitet, unabhängig davon, ob die Mitspieler sie verwerten. Wir haben Raum in jeder der vergangenen sechs Saisons mit allen Bundesliga-Außenverteidigern mit ausreichend Spielminuten verglichen: eine Saison noch bei der TSG Hoffenheim, fünf bei RB Leipzig. Seine Perzentilwerte: 99, 97, 96, 97, 98 und in der kleinen Stichprobe dieser Saison 99. Seit 2021/22 gehört er bei den Expected Assists in jeder Saison zu den besten 4 % der Außenverteidiger der Liga.

Das ist der entscheidende Befund dieser Analyse, denn er beantwortet die Frage, die am Anfang jedes Transfers stehen sollte: Ist das nur ein temporäres Hoch oder eine echte Gewohnheit? Es ist eine Gewohnheit. Viele Außenverteidiger haben mal eine Saison, in der Flanken punktgenau Abnehmer finden und die Scorerwerte in die Höhe schießen. Raum hat dieses Niveau bei zwei Klubs nachgewiesen, unter mehreren Trainern – in Phasen, in denen sein Team glänzte, und solchen, in denen es nur passabel lief. Über seine fünf vollen Spielzeiten verbucht er 33 Liga-Assists aus Chancen, die rechnerisch etwa 46 Toren entsprachen. Das sind weniger als verdient gewesen wären – der Torabschluss seiner Mitspieler hat seine Werte also eher gedrückt als geschönt. Von Spielglück kann hier keine Rede sein.
Er ist zudem keineswegs nur ein reiner Flankengeber. In der vergangenen Saison lag er bei den progressiven Pässen – Pässen, die das Spiel entscheidend nach vorne verlagern – im 98. Perzentil aller Bundesliga-Außenverteidiger und ebenfalls im 98. Perzentil bei den Torschussvorlagen. Seine Flankengenauigkeit kletterte ins 91. Perzentil, nachdem sie in seinen ersten drei Leipziger Jahren noch im Bereich zwischen Rang 13. und 24. gelegen hatte. Das ist die bemerkenswerteste Entwicklung in seinem Profil: Die schiere Masse an Hereingaben war schon immer da, doch in der letzten Saison wurde die Präzision deutlich besser.

In dieser Saison ist die Datenbasis noch schmal: sechs Ligaspiele und 549 Spielminuten – im Grunde jede einzelne Minute, die Leipzig auf dem Platz stand. Doch das Muster bleibt identisch. Er kreiert 3,44 Torschussvorlagen pro 90 Minuten – der Spitzenwert aller Bundesliga-Außenverteidiger mit mindestens 270 Einsatzminuten – und rangiert bei den progressiven Pässen erneut im 99. Perzentil. Zwar steht noch kein Assist zu Buche, doch der Blick auf die Chancenqualität zeigt: Das wird nicht so bleiben.
Der Haken: die Zweikämpfe
Kommen wir zum weniger schmeichelhaften Teil. Raums Defensivwerte unterliegen deutlich größeren Schwankungen als seine Offensivdaten. Bei den gewonnenen Defensivzweikämpfen lagen seine Perzentilwerte über fünf volle Spielzeiten bei 50, 75, 41, 58 und 17 – in der aktuellen Spielzeit steht er bei 26. In der Luft kam er nie über das 80. Perzentil hinaus und bewegte sich meist im Ligamittelfeld oder darunter.
Seine Flankengenauigkeit sprang ins 91. Perzentil – nach Werten zwischen Rang 13. und 24. in seinen ersten drei Leipziger Spielzeiten.
Hier gilt es jedoch zu differenzieren. In der vergangenen Saison verbuchte er mehr erfolgreiche Defensivaktionen als die meisten Außenverteidiger und lag bei den abgefangenen Bällen im 94. Perzentil – von Passivität kann also keine Rede sein. Er liest das Spiel aufmerksam und rückt entschlossen vor. Was ihm jedoch nicht immer gelingt, ist das direkte Eins-gegen-Eins zu gewinnen, wenn ein Flügelstürmer mit Tempo auf ihn zuläuft. In der Bundesliga ist das eine Schwachstelle, die sich auffangen lässt. In der Premier League, wo die Rechtsaußen noch antrittsschneller sind und einen Spieltag für Spieltag fordern, stünde er vor einer echten Bewährungsprobe.

Wie er zu United passen würde
United lief in dieser Saison in sechs von sieben Ligaspielen im 4-2-3-1 auf. Das ist ein wichtiger Faktor, denn es ist die Grundordnung, die Raum am besten liegt. Leipzig agierte in der vergangenen Spielzeit laut unseren Spieldaten in 21 von 27 Ligaspielen im 4-3-3, mit Raum als hinterlaufendem Außenverteidiger hinter einem einrückenden Linksaußen. Im 4-2-3-1 von United soll der Linksverteidiger die nötige Breite geben, während der Flügelspieler nach innen zieht. Es ist im Wesentlichen exakt die Rolle, die er ohnehin schon ausfüllt.
Die größere Frage ist, wen er ersetzen würde. Luke Shaw kommt in dieser Saison erst auf 352 Ligaminuten. Patrick Dorgu, mit 380 Minuten, wird in unseren Daten ebenso oft als Flügelstürmer wie als Außenverteidiger geführt, und Noussair Mazraoui (404 Minuten) ist eigentlich ein Rechtsverteidiger, der links aushelfen kann. Im Vergleich zu den Premier-League-Außenverteidigern liegt Shaw in dieser Saison bei den Expected Assists im 87. Perzentil – ein starker Wert. Dorgu rangiert im 95. Perzentil, bei den progressiven Pässen jedoch nur im 16.: Er kreiert über Läufe mit Tempo, nicht durchs Passspiel. Mazraoui steht bei den Expected Assists lediglich im 14. Perzentil. Er ist eine verlässliche Option, aber kein Spielmacher von hinten heraus.

Diese Grafik ist mit Vorsicht zu genießen. Raums Perzentile beziehen sich auf Bundesliga-Außenverteidiger. Die von United auf Premier-League-Außenverteidiger – und unser Modell stuft den durchschnittlichen Premier-League-Klub um rund 145 Rating-Punkte stärker ein als den durchschnittlichen Bundesligisten. Wer in Deutschland im 98. Perzentil der Kreativspieler liegt, tut das in England nicht automatisch auch. Doch das Profil ist der entscheidende Punkt: Raum vereint Dorgus Torgefahr mit einer Passpräzision und -reichweite, die in dieser Saison noch keine von Uniteds Optionen gezeigt hat.
Hinzu kommt der Kontext des Teams. Nach unseren Ratings liegt United auf Rang 4. der Premier League und weltweit auf Platz 8. (1671 Punkte). Sie holen jedoch nur 1,00 Punkte pro Spiel aus Leistungen, die eigentlich 1,67 Expected Points wert wären. Das sind 4,7 Zähler weniger, als sie verdient hätten – die zugrundeliegenden Leistungsdaten sind also deutlich besser als der Tabellenplatz. Ein Linksverteidiger, der gegnerischen Druck auflöst und Ballbesitz in Torchancen ummünzt, ist genau die Art von Verstärkung, die so einer Mannschaft hilft, gute Auftritte auch in Resultate umzumünzen.
Was er mitbringen würde – auf den Punkt gebracht
Drei Dinge. Erstens: konstante Offensivgefahr über den linken Flügel – Flanken, Rückpässe von der Grundlinie und progressive Pässe, Woche für Woche, seit mittlerweile sechs Jahren. Zweitens: Erfahrung. Mit 28 Jahren, als Kapitän von RB Leipzig und deutscher Nationalspieler, wäre er kein Entwicklungsprojekt mehr. Drittens: ein echter Linksfuß auf der linken Seite – ein Element, das United bei Shaws Ausfällen oft schmerzlich vermisst hat.
Und drei Risikofaktoren. Erstens: die Zweikampfwerte, die darauf hindeuten, dass wendige Rechtsaußen an ihm vorbeikommen. Zweitens: der Sprung aus einer Liga, die unser Modell schwächer einstuft, in die anspruchsvollste Liga auf unserer Skala. Drittens: das Alter. 28 ist das absolute Leistungsoptimum für einen Außenverteidiger, doch der Deal ergibt vor allem als Verpflichtung für drei Spielzeiten Sinn, nicht als langfristige Lösung.
Unser Fazit
Passung: Stark. Risiko: Moderat. In puncto Offensivoutput ist Raum für einen Außenverteidiger so nah an einer Bank, wie es nur geht. Sechs Jahre in Folge unter den besten 4% % der Bundesliga bei den Expected Assists sind kein Zufall, und die taktische Passung in Uniteds 4-2-3-1 ist ideal. Das Risiko liegt in der Rückwärtsbewegung. United müsste ihn absichern – durch einen linken Innenverteidiger, der den Halbraum und die Schnittstelle zuschiebt, und einen defensiven Mittelfeldspieler, der rüberkippt. Andernfalls werden gegnerische Teams ihn gezielt attackieren. Sofern die kolportierte Ablösesumme für einen Spieler mit nur noch sechs Monaten Vertragslaufzeit halbwegs zutrifft, ist es ein absolut sinnvoller Transfer: ein erfahrener, extrem konstanter Creator für eine Problemzone, ohne großes finanzielles Langzeitrisiko.
Was könnte unsere Einschätzung ändern? Bis Januar gilt es zwei Dinge zu beobachten: Bleiben seine defensiven Zweikampfquoten auch bei größerer Datenbasis im unteren Drittel, wiegen die Defensivsorgen schwerer. Und sollte Leipzigs Offensivproduktion um ihn herum einbrechen, müsste man genau hinsehen, ob es an ihm oder am Kollektiv liegt. Stand jetzt sagen die Daten: United hat hier ein absolut plausibles Transferziel im Visier.
FAQ
Verpflichtet Manchester United David Raum?
Medienberichten dieses Wochenendes zufolge ist Raum Uniteds Wunschkandidat für die linke Abwehrseite im Januar – und der Spieler selbst soll offen für den Wechsel sein. Bislang ist nichts fix, zudem soll auch Juventus Turin Interesse signalisieren. Wir analysieren das sportliche Profil, nicht die Vertragsverhandlungen.
Ist David Raum eine Eintagsfliege?
Nein. Seit der Saison 2021/22 zählte er – erst bei Hoffenheim, dann in Leipzig – in jeder Spielzeit zu den besten 4 % aller Bundesliga-Außenverteidiger bei den Expected Assists. Das ist einer der konstantesten Offensivwerte unter allen Außenverteidigern Europas.
Wo liegen David Raums Schwächen?
Das Defensivverhalten im Eins-gegen-eins. Seine Erfolgsquote bei defensiven Duellen schwankte über fünf komplette Spielzeiten hinweg zwischen dem 17. und 75. Perzentil, zudem gilt er in der Luft selten als dominant. Dafür beweist er eine starke Spielantizipation – bei den abgefangenen Bällen lag er in der vergangenen Saison im 94. Perzentil.